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Dr. Herrmann Bochum – Erkrankungen der Schilddrüse

Erkrankungen der Schilddrüse

1. Autoimmunthyreoiditis
Eine Autoimmunthyreoiditis ist eine Schilddrüsenentzündung. Man unterscheidet bei den Schilddrüsenentzündungen Autoimmunthyreoiditiden, die mit einer Unterfunktion oder einer Autoimmunthyreoitiden, die mit einer Überfunktion einhergehen. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine typische Form der Autoimmunthyreoiditis, die im Verlauf der Erkrankung in einer Unterfunktion (Hypothyreose) mündet. Die Diagnose stellt sich anhand der typischen klinischen Zeichen der (beginnenden)Unterfunktion wie Kälteintoleranz, Gewichtszunahme, erhöhtes Schlafbedürfnis, brüchige Nägel, brüchige Haare, Verstopfungsneigung (Obstipation etc.). die Diagnose wird durch typische Zeichen in der Schilddrüsensonographie als auch durch die Bestimmung von TPO-und TG-Antikörpern im Blut bestimmt. Das TSH als primärer Marker der Hypothyreose steigt in diesem Fall an. Häufig kommt es bei diesen Patienten zudem zu einem Engegefühl im Bereich des Halses. Die Therapie besteht in der Substitution von Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin). In seltenen Fällen ist eine Kombinationstherapie aus T4 und T3 erforderlich. Neuere Studien haben in den letzten Jahren darauf hingewiesen, dass die Gabe von Selen im Frühstadium einer Hashimoto-Thyreoiditis den Verlauf (Progress) der Erkrankung in einigen Studien
hemmen konnte.

2. Morbus Basedow
Eine andere Form der Schilddrüsenentzündung ist der Morbus Basedow. Hierbei handelt es sich um eine Stimulation der Schilddrüse durch den Antikörper TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper). Dieser ist im Blut durch eine sehr valide Methode zu diagnostizieren. Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) kommt es in diesem Fall zu einem Absinken des TSH-Wertes. Die freien Hormone (FT4 und FT3 steigen im Blut an und bewirken die typischen Überfunktionszeichen wie Wärmeintoleranz, Gewichtsabnahme, Unruhe, Schwitzen, vermehrter Stuhlgang etc. In ca. 50% der Fälle kommt es zu einer zusätzlichen Augenbeteiligung (endokrine Orbitopathie:EO). Primäres Ziel des Morbus Basedow ist die rasche Behandlung mit einem Thyreostatikum (Thiamazol, Carbimazol oder Propythiouracil). Die Therapie sollte nach den heutigen Kenntnisstand über ca. 1 Jahr durchgeführt werden. Anschließend ist ein Auslassversuch anzustreben. In ca. 50% der Fälle kommt es zu einer Wiederkehr der Überfunktion (Rezidiv). Hier schließt sich jetzt eine definitive Therapie (Schilddrüsenoperation bzw. Radiojodtherapie) an. Bei der Radiojodtherapie ist in diesem Fall auf die begleitende Kortisongabe hinzuweisen. Die Augenbeteiligung sollte vom Endokrinologen zusammen mit dem Augenarzt in enger Kooperation abgestimmt werden. Bei der endokrinen Orbitopathie besteht die Therapie in der Gabe eines Kortisonstoßes. Neuere Daten weisen darauf hin, dass eine intravenöse Kortisongabe der Tabletteneinnahme überlegen ist. Falls dies nicht zu einem Erfolg führt und sich Sehstörungen einstellen, muss hier eine Bestrahlung des Fettgewebes hinter dem Auge oder auch über eine Operation nachgedacht werden.

3. Ein Schilddüsenknoten ist in Deutschland häufig. Ca. jeder 3. bis jeder 4. Patient entwickelt im Laufes seines Lebens einen Schilddrüsenknoten. Die meisten Schilddrüsenknoten entstehen durch den Jodmangel der Schilddrüse als auch durch eine erbliche Veranlagung. Man unterscheidet neben den warmen Knoten, die zu einer Überfunktion führen können, einen kalten Knoten, der kein Jod speichert und somit keine Schilddrüsenhormone produziert. Der letztere kann in seltenen Fällen entarten. Die meisten Schilddrüsenknoten sind jedoch weder warm noch kalt. Jeder Knoten > 1 cm sollte durch eine einmalige Schilddrüsenszintigraphie untersucht werden, ob es sich hier um einen warmen oder kalten Knoten handelt. Im Falle eines kalten Knotens sollte hier großzügig eine Feinnadelpunktion erfolgen. Ein warmer Knoten kann im Verlauf eine Überfunktion entwickeln und stellt hier die Indikation einer Radiojodtherapie oder einer Operation dar.

Indikation zur Feinnadelpunktion:
Eine Feinnadelpunktion sollte immer dann in Erwägung gezogen werden, wenn der Knoten durch die Ultraschalluntersuchung suspekt erscheint oder eine Schilddrüsenszintigraphie einen kalten Knoten nachweisen konnte. Die Schilddrüsenpunktion dauert ca. 1 Minute und aspiriert mehrere Schilddrüsenzellen. Durch neuere Verfahren kann hier bei einer suffizienten Punktion eine adäquate Aussage über den Knoten gemacht werden.

4. Schilddrüsenkarzinome:
Schilddrüsenkarzinome sind selten. Unter Berücksichtigung der Häufigkeit eines Schilddrüsenknotens, sind Schilddrüsenkarzinome somit selten. Man unterscheidet folgende Karzinome:
1. papilläre Schilddrüsenkarzinome (ca. 60-80%)
2. follikuläre Schilddrüsenkarzinome (ca. 20-40%)
3. medulläre Schilddrüsenkarzinome (4-10%)
4. anaplastische Schilddrüsenkarzinome (ca. <2%)
Papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome haben insgesamt eine gute Prognose. Die papillären Schilddrüsenkarzinome metastasieren vorwiegend über die Lymphbahnen. Follikuläre Schilddrüsenkarzinome habe eine etwas schlechtere Prognose als papilläre Schilddrüsenkarzinome und metastasieren vorwiegend über die Blutbahn. Die Therapie der Wahl dieser beiden Schilddrüsenkarzinome ist eine von der Größe abhängige komplette Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie mit einer anschließenden Radiojodbehandlung). Häufig können diese Art der Schilddrüsenkarzinome heilend behandelt werden. Der Tumormarker der follikulären und papillären Schilddrüsenkarzinome stellt das Thyreoglobulin (TG) dar.

Hiervon abzugrenzen ist das medulläre Schilddrüsenkarzinom, welches als Tumormarker das Calcitonin im Serum aufweist. Bei erhöhten Calcitoninspiegeln im Serum sollte sich ein Pentagastrintest anschließen. Werte über 100 pg/ml nach Stimulation mit Pentagastrin können hier den Verdacht eines medullären Schilddrüsenkarzinoms/C-Zellhyperplasie erwägen. Sehr selten stellt das medulläre Schilddrüsenkarzinom eine Kombination mit einer anderen endokrinen Erkrankung wie das Phäochromozytom (Adenom des Nebennierenmarks) dar. Die Therapie des medullären Schilddrüsenkarzinoms besteht in der Thyreoidektomie mit Entfernung der Lymphknoten der Schilddrüse/Halses. Aufgrund der fehlenden Jodspeicherung des medullären Schilddrüsenkarzinoms ist eine Radiojodtherapie in diesem Fall nicht indiziert.

5.    Hypothyreose:
Die meisten Schilddrüsenunterfunktionen entstehen durch eine Hashimoto-Thyreoiditis. Sehr selten liegt eine Hypophyseninsuffizienz (Ausfall der Hirnanhangsdrüsenvorderlappenfunktion) vor.

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Priv. – Doz. Dr. med. B. L. Herrmann
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Ueberfunktion der Schilddruese (Hyperthyreose)

Im Erwachsenenalter ist der Morbus Basedow die häufigste Form der Hyperthyreose. Bei älteren Menschen sind es zunehmend funktionelle Autonomien, die den Überschuss an Schilddrüsenhormonen verursachen.

Welche Formen der Hyperthyreose unterscheidet man? Welche Ursachen können diese Schilddrüsenkrankheiten haben?

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